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ENLAPA GIS

Netzintelligenz · Technischer Leitfaden

Was wir simulieren — und wie genau.

Dieser Leitfaden dokumentiert Methoden, Algorithmen und Annahmen hinter allen Netzintelligenz-Ebenen: die Rekonstruktion des deutschen Übertragungsnetzes, das stündliche DC-Lastfluss-Screening, die Berechnung freier Einspeisekapazität, die Redispatch-Attribution und die Zuordnung von Anlagen zu Umspannwerken — einschließlich Kalibrierstand und bekannter Grenzen. (Stand: 2026-07-10)

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Inhalt

  • 1 · Verlässlichkeitsstufen T1–T3
  • 2 · Datenquellen & Lizenzen
  • 3 · Netzrekonstruktion
  • 4 · Elektrische Parameter
  • 5 · Erzeugungs- und Lastmodell
  • 6 · DC-Lastfluss-Screening
  • 7 · Freie Kapazität / Headroom
  • 8 · Kalibrierung
  • 9 · Abregelungs-Modelle
  • 10 · Anlage → Umspannwerk
  • 11 · Weitere Modell-Ebenen
  • 12 · Annahmen & Grenzen
  • 13 · Anhang: Konstanten

Abschnitt 1

Verlässlichkeitsstufen: T1 gemessen, T2 kalibriert, T3 modelliert

Jede Zahl auf der Plattform gehört zu genau einer von drei Stufen, und die Produktoberfläche darf eine T3-Zahl niemals wie eine T1-Zahl aussehen lassen:

StufeBedeutungBeispiele
T1gemessenDirekt aus einer amtlichen bzw. Betreiber-Datenquelle übernommenÜNB-Redispatch-Arbeit (MWh) je Maßnahme; VNB-Maßnahmen-Zeitpunkte, -Dauern, -Stufen; MaStR-Stammdaten
T2ModellModellschätzung, kalibriert an gemessenem RedispatchAbregelungs-Energiemengen im Verteilnetz (Obergrenzen-Modell, ERA5-wetterkorrigiert)
T3ModellModellschätzung nach DC-Screening (NEP-Methodik) — kein Echtzeitmodell, keine betreiberseitige ZusageFreie Einspeisekapazität je Umspannwerk; Leitungsauslastungen

Abschnitt 2

Datenquellen & Lizenzen

QuelleInhalt / VerwendungLizenz / Zugriff
netztransparenz.deÜNB-Redispatch-Maßnahmen (alle vier Regelzonen), „Format 5“-CSV via WebAPI (OAuth2), rollierendes 365-Tage-Fenster; inkl. gemessener Arbeit (MWh), Beginn/Ende, betroffener AnlageDatennutzung netztransparenz
redispatchdaten.deVNB-Einzelmaßnahmen der E.ON-Gruppe (Bayernwerk, Avacon, SH Netz, E.DIS, Syna, LEW): je Maßnahme × Anlage × Zeitscheibe mit Beginn/Ende, Dauer, Abregelungsstufe, EEG-Anlagenschlüssel. Monatsfenster-Abruf über serverseitige start/end-Filteröffentliche API
Marktstammdatenregister (BNetzA)Anlagenstammdaten: Leistung, Energieträger, Spannungsebene, Netzbetreiber, Anschluss-Lokation, EEG-Schlüssel, KoordinatenDatenlizenz Deutschland
OpenStreetMapNetztopologie: Umspannwerke, Leitungen, Spannungs- und Betreiber-Tags (imposm-Import, OpenInfraMap-Schema)ODbL
50Hertz Statisches Netzmodell + JAO Core Static Grid ModelReale Leitungsparameter (R, X, Imax) für EHV-Stromkreise; JAO-Datei nach TSO-Spalte auf TenneT/Amprion/TransnetBW aufgeteilt. Rohdateien werden nie redistribuiert — nur geparste ParameterVeröffentlichungspflichten der ÜNB
SMARD (BNetzA)Stündliche Ist-Erzeugung je Energieträger + Netzlast (Filter 410) — nationale SkalierungsankerCC BY 4.0
ARCO-ERA5 (ECMWF/Google)Reanalyse-Wetter: 100-m-Wind (u/v), Globalstrahlung (ssrd), 2-m-Temperatur; 0,25°-Raster, DE-Box 47,0–55,5°N / 5,5–15,5°E = 1.435 Zellen, stündlichCC BY 4.0
eXtremOS (FfE)Stündliche sektorale Last je NUTS-3-Region (402 Regionen; Industrie/Haushalt/GHD), Wetterjahr 2012CC BY 4.0
BKG VG250/VG2500Verwaltungsgrenzen (Gemeinden, Kreise, Länder) für Zonen, Choroplethen, Regelzonen-Dissolvedl-de/by-2-0
TransnetBW Netzanschlusskarte / Bayernwerk Simply ConnectVeröffentlichte (nicht modellierte) Anschlusskapazitäten — Punkte (BW) bzw. Segmente (Bayern, 750-kW-/3-MW-Stufen)unverbindliche Veröffentlichungen
netzausbau.de (BNetzA) / §13k-VeröffentlichungenBBPlG/EnLAG-Vorhaben (ArcGIS FeatureServer, 159+27 Segmente); §13k-Entlastungsregionen (42 Kreise, 50Hertz + TenneT)offene Geodienste

Abschnitt 3

Netzrekonstruktion: von OSM zur berechenbaren Topologie

Das berechenbare Netzmodell wird deterministisch aus den OSM-Daten abgeleitet — jede Neuberechnung liefert bei gleichen Eingaben identische IDs und Ergebnisse.

Geltungsbereich und Spannungsklassen

  • Drei Spannungsklassen: 380 kV, 220 kV, 110 kV. Zuordnung des höchsten Spannungs-Tags: ≥300 kV → 380er-Klasse, ≥175 kV → 220er, ≥60 kV → 110er (150-kV-Leitungen werden der 110er-Klasse zugeschlagen); unter 60 kV und über 800 kV liegt außerhalb des Modells.
  • Räumlicher Zuschnitt: Deutschland + 20-km-Grenzpuffer. Ausländische Netzmaschen ohne Last-/Erzeugungsdaten würden künstliche Parallelpfade bilden; Interkonnektoren enden als Randknoten. Transit-Ringflüsse (AT/PL/CZ) sind damit bewusst außerhalb des Modells (→ Abschnitt 12).
  • Metrik: alle Distanzrechnungen in EPSG:25832 (ETRS89/UTM 32N, echte Meter).

Knotenbildung (Clustering)

  • Umspannwerks-Geometrien werden mit einem Union-Find-Gitterverfahren bei 500 m Radius geclustert (PyPSA-Eur-Konvention). Ein Netzknoten = (Ortscluster × Spannungsklasse); Zentroid = Mittel der Mitglieder, Name/Betreiber = häufigster Wert.
  • Leitungsenden ohne passendes Umspannwerk im Umkreis von 2.000 m werden zu Junction-Knoten (400-m-Rasterbündelung), damit sich mittig treffende Leitungen einen Knoten teilen — Leitungen werden nie „fallen gelassen“.
  • Parallelkreise werden zu einer Kante mit circuits=N kombiniert: R und X je Stromkreis ÷ N, thermische Grenzleistung × N.
  • Transformatoren verbinden benachbarte Spannungsklassen desselben Clusters als eigene Kanten; HGÜ-Verbindungen (Frequenz-Tag 0) werden als dc_link getypt und im AC-Screening ausgeschlossen (geregelte Sollwert-Flüsse).
  • Degenerierte Kanten (Null-Länge <1 m, Selbstschleifen) werden entfernt und gezählt; Mindestbestände (≥1.000 Umspannwerke, ≥5.000 Leitungen) verhindern, dass ein defekter OSM-Import das Modell leert (fail-closed).

Ergebnisgröße: ~7.950 gescreente Kanten nach Clustering; Qualitätsmetriken (Inselanteile, Parametrisierungsgrad je Klasse, Zusammenhangskomponenten) werden bei jedem Lauf mitprotokolliert.

Abschnitt 4

Elektrische Parameter: Standardtypen, ÜNB-Netzmodelle, Korridor-Matching

Standard-Leitungstypen (Fallback)

Wo keine realen Parameter vorliegen, gelten Standardtypen (Oeding & Oswald 2011, PyPSA-Konvention), je Stromkreis und Kilometer:

KlasseTypR [Ω/km]X [Ω/km]Inom [kA]Snom = √3·U·I
380 kVAl/St 240/40, 4er-Bündel0,030,2462,58≈1.698 MVA
220 kVAl/St 240/40, 2er-Bündel0,060,3011,29≈492 MVA
110 kVAl/St 240/40, 1er-Bündel0,120,390,645≈123 MVA

Transformatoren: (380/220) 600 MVA, x_pu=0,10; (380/110) und (220/110) 300 MVA, x_pu=0,12; X/R ≈ 20. Alle Kanten tragen die N-1-Vorhaltung s_max_pu = 0,7 (pypsa-eur-Konvention): nutzbare Kapazität = 70 % der thermischen Grenzleistung.

Reale ÜNB-Parameter (Statisches Netzmodell)

  • Quellen: 50Hertz-SMN (eigene Jahresdatei) + JAO-Core-„Static Grid Model“ (halbjährlich), dessen Zeilen über die TSO-Spalte auf TenneT/Amprion/TransnetBW aufgeteilt werden; ausländische Eigentümer (RTE, PSE, TenneT NL) werden verworfen. Nur EHV-Stromkreise (380/220 kV).
  • Matching-Algorithmus: normalisiertes, ungeordnetes Endpunktnamen-Paar + Spannungsklasse. Namens-Normalisierung: Umlaut-Faltung, Kleinschreibung, Entfernen von Präfix-Token (uw, umspannwerk, ua, pst, kw, …) und einer angehängten Stromkreis-Nummer. Exakter Treffer → Konfidenz 1,0; sonst bester Fuzzy-Kandidat (Mittel der zwei besten SequenceMatcher-Ratios unter optimaler Paarung), akzeptiert ab 0,85.
  • Korridor-Matching: Weil OSM-Kanten meist an unbenannten Junctions enden, deckte das Kanten-Matching nur 11 % der EHV-Stromkreis-km ab. Deshalb werden Korridore gebildet — maximale Ketten gleichklassiger Leitungskanten, deren innere Knoten reine Durchgangs-Junctions (Grad 2) sind. Ein Korridor mit zwei benannten Endpunkten wird wie ein Stromkreis gematcht; R/X des Treffers werden längenanteilig auf die Kettenglieder verteilt (Seriensumme bleibt exakt erhalten, die PTDF sieht die wahre Korridor-Impedanz), mit Längen-Plausibilitätsgate (±30 % bzw. 15 km; bei exaktem Namenstreffer ±60 % / 30 km). Direkte Kanten-Treffer haben stets Vorrang. Ergebnis: Abdeckung realer Parameter 11,0 % → 21,6 % der EHV-Stromkreis-km — d. h. 78,4 % laufen weiterhin auf Standardtypen (Einordnung in Abschnitten 8/12).
  • Jede Kante trägt ihre Herkunft in param_source (tso_*, tso_*_corridor, std_type, default).

Abschnitt 5

Erzeugungs- und Lastmodell (stündlich, Kalenderjahr 2025)

Erzeugung

  • Kraftwerkspark: alle MaStR-Einheiten „in Betrieb“ (Statuscode 35) mit Koordinate und Nennleistung, dem Netzmodell über die Anlage-→-Umspannwerk-Zuordnung (Abschnitt 10) zugewiesen, sonst nächstgelegener Knoten unter derselben harten Spannungsuntergrenze.
  • Wind-Kapazitätsfaktor aus ERA5-100-m-Wind, kubische Leistungskurve zwischen Ein- und Nennwindgeschwindigkeit:
CF_wind
CF_wind(v) = 0 für v < 3 m/s oder v > 25 m/s
           = (v³ − v_ci³)/(v_r³ − v_ci³) für v_ci ≤ v < v_r
           = 1 ab Nennwind
Flottensplit nach Küsten-AGS-Präfix {01,02,03,04,13}:
  high_wind v_r=13,5 m/s, sonst low_wind v_r=10,0 m/s
  • PV-Kapazitätsfaktor aus Globalstrahlung: CF_pv = (G/1000 W/m²) · PR mit Performance Ratio 0,9, auf [0,1] begrenzt (v1 ohne Ausrichtung/Neigung; optionale Temperaturderatierung −0,4 %/K vorhanden, standardmäßig aus).
  • Skalierung an die Realität: Das CF-Modell liefert das räumliche Muster; die nationale Stundensumme für Wind/PV wird multiplikativ auf die SMARD-Ist-Erzeugung skaliert (unskaliert lag das Windmodell +31 % — das hätte die Nord-Süd-Flüsse überzeichnet).
  • Konventionelle, Biomasse, Wasser, Pumpspeicher: SMARD-Ist-Erzeugung je Trägergruppe, pro-rata nach installierter Knotenleistung verteilt (zeitinvariante Gewichte, nationale Summe exakt erhalten). Kein Kraftwerkseinsatzmodell in v1 (→ Abschnitt 12).

Last

  • eXtremOS liefert stündliche sektorale Lastprofile je NUTS-3-Region (402 Regionen; Wetterjahr 2012, Schalttag entfernt → 8.760 Stunden 1:1 auf 2025 abgebildet).
  • Regionalisierung auf 110-kV-Knoten über ENLAPAs eigene Flächendaten: Industrie-Last nach Industrie-/Gewerbeflächen, Haushalt+GHD nach Siedlungsflächen. Drei energieerhaltende Korrektive: (1) Knoten mit >1 TWh/a zugewiesener Industrie-Energie werden dem nächsten ≥220-kV-Knoten (≤25 km) zugeschlagen — Direktanschluss-Heuristik, motiviert durch BASF Ludwigshafen (~6,35 TWh/a); (2) jedes Gewichtspolygon wird invers-quadratisch über die 3 nächsten 110-kV-Knoten verteilt; (3) Kappung: max. 50 % einer (Region × Sektor)-Energie auf einem einzelnen Knoten, Überschuss pro-rata umverteilt.
  • SMARD-Anker: nationale Stundensumme auf die realisierte Netzlast (SMARD-Filter 410) skaliert. Fail-closed-Gates: Jahresenergie 400–600 TWh, Stundenmittel 40–90 GW.

Abschnitt 6

DC-Lastfluss-Screening: PTDF über 8.760 Stunden

Kern des Zwillings ist ein lineares DC-Screening: Leitungsflüsse sind linear in den Knoten-Nettoeinspeisungen.

DC-Screening
f = PTDF · p    mit p(t) = Erzeugung(t) − Last(t) je Knoten [MW]
B = Aᵀ·diag(b)·A (Knoten-Suszeptanz)
PTDF = diag(b)·A·B_red⁻¹ (Slack-Knoten reduziert)
x_pu = x_Ω·S_Base/U²,  S_Base = 100 MVA,  x-Floor 10⁻⁵ pu
  • Validierung: Die eigene numpy-PTDF ist gegen pandapower-rundcpp auf SimBench-Netzen auf <10⁻⁶ p.u. verifiziert (auch der N-1-Fall mit Leitungsausfall) und gegen die PyPSA-PTDF gegengeprüft.
  • Verteilter Slack: Das stündliche Ungleichgewicht wird mit festen Gewichten proportional zur Jahreserzeugung jedes Knotens entnommen: p'(t) = p(t) − w·Σp(t). Dieselben Gewichte definieren die Referenz der Headroom-Sensitivität (Abschnitt 7).
  • Inseln: Nur die größte Zusammenhangskomponente wird gescreent; ausgeschlossene Knoten-/Kantenanteile werden berichtet. Transformatoren gehen als normale niederreaktive Kanten ein (Stufensteller/Phasenschieber ignoriert); HGÜ ausgeschlossen.
  • Ausführung: float32, in 730-h-Blöcken (~Monat) über 8.760 Stunden. Kapazität je Kante = s_nom · s_max_pu.
  • Persistiert werden: je Kante Auslastungs-Perzentile p50/p95/p99/max + Überlaststunden (Auslastung > 1,0), die N-1-Pendants inkl. schlimmster Kontingenz, sowie Parquet-Zwischenprodukte für die Kalibrierung.

Abschnitt 7

Freie Kapazität: Einspeise-Headroom je Umspannwerk

Der Headroom beantwortet: Wie viel zusätzliche Einspeisung ΔP verträgt Knoten n in Stunde t, bevor irgendeine Leitung ihre Grenze überschreitet? Die Zusatzeinspeisung wird vom verteilten Slack aufgenommen; die slack-bereinigte Sensitivität von Leitung l auf Knoten n ist:

Headroom
S_ln = PTDF_ln − Σ_k w_k·PTDF_lk
headroom_n(t) = min_l ( cap_l − |f_l(t)| ) / |S_ln|
   über alle l mit |S_ln| > 0,05 und bekannter Kapazität
  • Sensitivitätsschwelle 5 %: die konventionelle „significantly affected element“-Grenze. (Eine Schwelle von 10⁻⁴ erwies sich als viel zu durchlässig — eine entfernte Leitung mit Sensitivität 0,001 und negativer Marge nullte jeden Knoten.)
  • Positive-Margen-Semantik: Leitungen, die in einer Stunde bereits an/über der Grenze sind (Marge ≤ 0), fallen aus dem Minimum dieser Stunde heraus — Basisfall-Verletzungen sind ÜNB-Redispatch-Realität, keine marginale Beschränkung der Zusatzeinspeisung. Ohne diese Semantik wäre der Headroom deutschlandweit identisch null (bei ~10 TWh/a Redispatch ist fast stündlich irgendein EHV-Element verletzt).
  • Beschränkungsmenge = EHV (≥220 kV), NEP-Zuschnitt. 110-kV-Kanten werden vollständig berichtet, aber nicht als Headroom-Constraint verwendet (die NUTS-3-Lastklumpung erzeugte dort ~500 chronische Artefakt-Überlastungen). Datenverdächtige Kanten (eigene p95-Auslastung > 2,0) werden ausgeschlossen und gezählt.
  • Perzentil-Kriterium: Aus der 8.760-Stunden-Serie je Knoten entstehen p100 (Minimum), p99 und p95 = die Einspeisung, die in ≥95 % der Jahresstunden ohne Überlastung möglich wäre — das ist die Standardanzeige der Karten-Ebene. Kappung bei 100.000 MW (kein bindendes Element); komplett unbeschränkte Knoten → „unbewertet“ (grau). Je Knoten wird die am häufigsten bindende Leitung (limiting_edge) mitgeführt.
  • Richtung: Der Wert ist ein Einspeise-Headroom (zusätzliche Erzeugung). Für Bezug (Batterieladen, Elektrolyse) kehrt sich das Vorzeichen der Netzwirkung um; ein eigener Bezugs-Headroom ist Roadmap. Bis dahin sind Abregelungs-Hotspots und §13k-Entlastungsregionen die belastbaren Standortsignale für flexible Last.

N-1-Rechnung (LODF) — implementiert, für die Kundenebene deaktiviert

N-1 (LODF)
f_l^post(k) = f_l + LODF_lk·f_k
LODF_lk = (PTDF_l,f(k) − PTDF_l,t(k)) / (1 − (PTDF_k,f(k) − PTDF_k,t(k)))

Kontingenzmenge = EHV; Brücken (Inselbildner, |Nenner| < 10⁻⁶) sind ausgeschlossen und werden gezählt (ihr N-1-Ereignis ist Lastverlust, nicht Umverteilung). Der N-1-bewusste Headroom ergänzt je überwachter Leitung ihre 5 schlimmsten Kontingenzen als Pseudo-Leitungen mit Sensitivität PTDF[l,·] + LODF[l,k]·PTDF[k,·] und ist konstruktionsbedingt ≤ N-0. Bewusste Entscheidung: Die Kundenebene zeigt N-0-Headroom. Der strikte N-1-Headroom (Median p95 ≈ 10 MW; 2.053 von 4.217 Umspannwerken < 10 MW) ist beim heutigen Parametrisierungsgrad Parameterrauschen, kein Signal — er wird erst freigeschaltet, wenn die Korridor-Impedanzabdeckung die N-1-Korridor-Rangkorrelation positiv dreht (Abschnitt 8). Die N-1-Auslastungs- und Kalibriermetriken laufen weiter mit.

Abschnitt 8

Kalibrierung: Modell gegen gemessenen Redispatch

Jeder Screening-Zyklus wird gegen die Realität gestellt: vorhergesagte Engpässe (Überlaststunden je Kante) gegen beobachteten, geokodierten Redispatch (abgeregelte MWh je Anlage, der nächsten EHV-Kante ≤25 km zugeordnet; Zonen über die Regelzonen-Polygone). Alle Metriken sind append-only versioniert; ein Regressions-Guard blockiert die Veröffentlichung, wenn die Trefferquote um >20 % gegenüber dem Vorlauf fällt.

MetrikDefinitionAktueller WertNüchterne Lesart
hit_rate_top20Top-20 vorhergesagt ∩ Top-20 beobachtet / 20 (Kanten)0,00Kanten-granular disjunkt; Attributionsbasis dünn (284 geokodierte ÜNB-Anlagen → 142 Kanten)
hit_rate_top20_corridor (+N-1)dasselbe auf Korridor-Ebene0,05erste von null verschiedene Trefferquote; Verdünnungseffekt real, aber klein
spearman_zone_*Rangkorrelation Überlaststunden ↔ attributierte MWh je RegelzoneAmprion +0,19 · TenneT −0,18 · zones_mean +0,002Ranking trägt noch nicht; verbleibender Fehler ist Parameterqualität (78,4 % std_type)
loading_percentile_at_measuresModell-Auslastungsperzentil der Kante zum Startzeitpunkt realer Maßnahmen (Basis 0,5)0,574 (N-1: 0,584)schwach positiv: Maßnahmen starten überzufällig in modellhaft angespannten Stunden
energy_r2 (Erzeugung/Last je Zone)r² modellierte vs. SMARD-RegelzonenenergieLast: Amprion 0,95 · TransnetBW 0,86 · TenneT 0,53 · 50Hertz 0,22Energieanker solide im Westen/Süden; 50Hertz-Zuordnung schwächste Stelle
attribution_coverageattributierte / beobachtete MWh0,63 (12,8/20,4 TWh)anlagenscharfer ÜNB-Redispatch ist nur ~20 % des Gesamtvolumens; Namens-Matching ≈69 %

Interpretation: Der Zwilling ist heute ein Screening-Werkzeug mit belastbarem Energie- und Zeitanker, aber noch ohne belastbares Kanten-Ranking — deshalb die konservative Produktentscheidung (N-0-Anzeige, T3-Kennzeichnung, keine Betreibergarantie-Suggestion). Die Kalibrier-Schleife läuft monatlich unbeaufsichtigt mit.

Abschnitt 9

Abregelungs-Modelle: gemessen, modelliert, attributiert

ÜNB-Seite (gemessen): Redispatch-Maßnahmen aller vier ÜNB inkl. gemessener Arbeit (MWh). Geokodierung der Freitext-Anlagennamen gegen das MaStR: Normalisierung (alles außer [a-zA-Z0-9] entfernen, Kleinschreibung), bevorzugt exakter Treffer, sonst Substring-Suche über das erste ≥5-buchstabige Nicht-Stoppwort-Token, Tiebreak = höchste Nennleistung. Abdeckung ≈ 68,9 % der Namensnennungen.

VNB-Seite (E.ON-Gruppe): gemessene Fakten, modellierte Energie. Der Feed liefert je Maßnahme × Anlage × Zeitscheibe: Beginn/Ende, Dauer, Abregelungsstufe und den EEG-Anlagenschlüssel (Join auf MaStR; 46,4 % der Schlüssel matchen eine Einheit ≥30 kW) — aber keine Energiemenge. Diese wird zweistufig modelliert:

VNB-Energie
v1 (Obergrenze):   E = P_nenn · (Stufe%/100, geklemmt [0,1]) · (Dauer_min/60)
CF-verfeinert:     E = P_nenn · Stufe% · ∫ CF_ERA5(t) dt   über das Maßnahmenfenster

Das Integral summiert je Stunde Überlappung(Fenster, Stunde) × CF(Stunde, Rasterzelle); Wind nutzt die Zwei-Klassen-Leistungskurve, PV die Globalstrahlung (0,25°-Zelle der Anlage); Fenster >168 h werden nach der ersten exakt integrierten Woche mit dem Fenstermittel fortgeschrieben; Funktionstests sind ausgeschlossen. v1- und CF-Wert werden beide gespeichert, die Differenz bleibt sichtbar. Warum Obergrenze: v1 unterstellt Volllast im Abregelungsfenster; die CF-Gewichtung ersetzt das durch das tatsächliche Wetterdargebot, bleibt aber eine Modellschätzung (keine Ausfallarbeits-Messung; strukturell nicht validierbar, da VNB keine anlagenscharfe Ausfallarbeit veröffentlichen).

Konsistenzregeln in der Anzeige: Maßnahmen werden überall als distinkte Vorgänge gezählt (nicht als Zeitscheiben); gemessene Fakten (Anzahl, Stunden, Wochenprofil) tragen „gemessen“, Energiemengen „Modell“.

Abschnitt 10

Anlage-→-Umspannwerk-Zuordnung (Fan-out-Grundlage)

361.741 MaStR-Anlagen sind genau einem von ~37.000 OSM-Umspannwerken zugeordnet (exakt eine Zeile je Anlage, hart geprüft). Vier Signale in fester Rangfolge, jede Zuordnung trägt Herkunft und Konfidenz:

  1. Lokations-Gruppierung (registriert), Konfidenz 0,7: Einheiten mit derselben MaStR-Anschluss-Lokation werden als Gruppe (Zentroid, höchste Spannungsuntergrenze der Mitglieder) genau einem Umspannwerk zugewiesen — eine Lokation kann nie über mehrere Umspannwerke splitten.
  2. Netzbetreiber-Abgleich, Konfidenz 0,8: Kandidaten, deren OSM-operator-Token sich mit den Tokens des registrierten Anschlussnetzbetreibers überschneiden, gewinnen — nach der Spannungs-Vorbedingung, vor der Distanz. Deterministische Token-Normalisierung: Kleinschreibung, Rechtsformen und Füllwörter entfernt, Mindesttokenlänge 2. In der Produktion entscheidet dieses Signal bei ~58 % der Anlagen (Ø-Distanz 6,1 km statt 2,0 km beim reinen Nächste-Nachbarn-Verfahren).
  3. Spannungsuntergrenze + Distanz (Basis), Konfidenz 0,5:Spannungsebenen-Codes 348/349 → ≥220 kV, 350/351 → ≥110 kV; ohne Code die Leistungsheuristik (≥150 MW → 220 kV, ≥50 MW → 110 kV, ≥1 MW → 20 kV; §8 KraftNAV / VDE-AR-N-Anschlussebenen). Untagged „minor_distribution“-Stationen gelten als 20 kV (~80 % der MS-Stationen sind ungetaggt). Suchradius 20 km, 25 km bei ≥220-kV-Untergrenze; darunter liegende Stationen sind aus der Kandidatenmenge entfernt. Ohne passenden Kandidaten: nächstes Umspannwerk mit voltage_ok=false — nie verworfen.
  4. Ko-Abregelungs-Korrektur (beobachtet), Konfidenz 0,9: Anlagen, die in ≥3 distinkten VNB-Maßnahmen gemeinsam abgeregelt wurden, teilen einen Strang. Die gewichtete Mehrheit des Clusters kann eine Anlage umziehen — nur innerhalb ihres Suchradius, nur bei erfüllter Spannungsuntergrenze, nie gegen eine registrierte Lokations-Gruppe, und Maßnahmen mit >200 betroffenen Anlagen (flächige Abregelung, kein Strang-Signal) zählen nicht.

Produktionsverteilung nach der letzten Neuberechnung: operator_match 210.371 · lokation_group 131.088 · knn 20.277 · cocurtailment 5; null gesplittete Lokationen. Wichtig: Die NAP-Tabelle des MaStR enthält keine Koordinaten — ihre Geometrie ist ein Zentroid-Artefakt der Mitglieder; ein vollständiger Ersatz der räumlichen Suche durch Registerdaten ist daher nicht möglich, nur ihre Verfeinerung.

Abschnitt 11

Weitere Modell-Ebenen

EbeneMethode
Redispatch-Intensität (Gemeinde / Netzgebiet)Abgeregelte MWh/a je Fläche (ÜNB: Punkt-in-Polygon der geokodierten Anlagen; VNB: über den Gemeindeschlüssel), normiert je installiertes MW, Quintil-Klassen. 1.318 Gemeinden bzw. 104 Netzgebiete mit Werten.
Netzgebietsklasse (EE-stark / ausgeglichen / Last-stark)Verhältnis installierte EE-Leistung (MaStR Wind+PV, in Betrieb) zu einer Lastproxy aus Flächenbenchmarks (Industrie 0,30 MW/ha, Siedlung 0,08 MW/ha): ≥1,5 → EE-stark, ≥0,75 → ausgeglichen, sonst Last-stark. Kommerzielles Lead-Signal, nie Scoring-Input.
Umspannwerks-Karte (angeschlossen)Σ Nennleistung, Anlagenzahl und Energieträger-Mix je Umspannwerk aus der Zuordnung (Abschnitt 10); Abregelung dreigeteilt: ÜNB gemessen / VNB CF-modelliert / VNB v1-Obergrenze.
Netzbetreiber je GemeindeDominanter VNB = höchste installierte MW je AGS; Top-12-Betreiber mit Spannungsebenen als Attribut.
Veröffentlichte AnschlusskapazitätTransnetBW-Netzanschlusskarte (~52 HöS-Punkte, Ampelstatus, MW-Bänder, n-0/n-1, 2032–2035) und Bayernwerk Simply Connect (KML-Segmente, Stufen 750 kW / 3 MW). Publizierte, unverbindliche Angaben — keine ENLAPA-Modellierung.
§13k-Entlastungsregionen„Nutzen statt Abregeln“-Regionen (Umsetzungskonzept 2.0, wirksam 2026-10): 42 Kreise, nur 50Hertz (H1, H2) und TenneT (T1–T6), aus Kreisgrenzen dissolved.
Netzausbau-VorhabenBBPlG (159 Segmente) + EnLAG (27) vom BNetzA-FeatureServer; Zeitsignal = Verfahrensstand (Rang 1–6). Anzeige-Signal, nie Scoring-Input.
RegelzonenKreis→ÜNB-Zuordnung (mit Overrides OWL→TenneT, Rhein-Main→Amprion, Bayerisch-Schwaben→Amprion), dissolved; Träger der gemessenen Zonen-Redispatch-Summen.

Abschnitt 12

Annahmen & Grenzen — vollständig

Bekannte Grenzen des Modells

  • DC statt AC. Kein Blindleistungs-, Spannungs- oder thermisches Dynamikmodell; lineares Engpass-Screening, keine Betriebsstudie. Stufensteller und Phasenschieber unmodelliert; HGÜ als Sollwert-Element ausgeschlossen.
  • Rekonstruierte Topologie. Das Netz ist aus OSM abgeleitet; fehlende oder falsch getaggte Stationen/Leitungen pflanzen sich in die Flüsse fort. Inselanteile und degenerierte Kanten werden je Lauf quantifiziert.
  • Parameterabdeckung ungleich. Nur das 50Hertz-SMN ist im Detail verifiziert; 78,4 % der EHV-Stromkreis-km laufen auf Standardtypen. Das ist die derzeit wahrscheinlichste Ursache des schwachen Kanten-Rankings — und der Grund, warum der N-1-Headroom nicht kundenwirksam ist.
  • Attribution geometrisch + namensbasiert. Beobachteter Redispatch erreicht das Modell nur über MaStR-Geokodierung (≈69 % Namens-Matching ÜNB; 46,4 % EEG-Schlüssel VNB) und die Nächste-Kante-Zuordnung ≤25 km. Anlagenscharfer ÜNB-Redispatch ist zudem nur ~20 % des veröffentlichten Volumens.
  • VNB-Energie strukturell unvalidierbar. Keine veröffentlichte anlagenscharfe Ausfallarbeit je VNB → die MWh bleiben eine (klar gekennzeichnete) Obergrenzen- bzw. wetterkorrigierte Modellschätzung. VNB-Abdeckung derzeit: E.ON-Gruppe.
  • Lastallokation dominiert den 110-kV-Fehler. Flächengewichtete NUTS-3-Verteilung ist ein Proxy; die drei Disaggregations-Korrektive (Abschnitt 5) mildern, beheben aber nicht die Einzelknoten-Unsicherheit — deshalb sind 110-kV-Kanten kein Headroom-Constraint.
  • Vereinfachter konventioneller Einsatz. SMARD-Ist pro-rata statt Kraftwerkseinsatzmodell verzerrt Nord-Süd-Flüsse in Extremstunden.
  • Ein Wetter-/Lastjahr (2025), keine Szenariojahre. Ausländische Ringflüsse außerhalb des DE-Zuschnitts. PV ohne Ausrichtung/Neigung; Wind mit Zwei-Klassen-Flottenkurve; ERA5-Zelle 0,25° (~25 km).
  • Produkt-Kennzeichnung. Jede Ebene nennt Quelle + Methodik im Attribut „Datenstand & Methodik“; T3-Werte tragen durchgängig „Modell“/„Modellschätzung (DC-Screening, NEP-Methodik)“ und sind ausdrücklich keine Echtzeit- oder betreiberverbindlichen Kapazitätszusagen.

Abschnitt 13

Anhang: zentrale Konstanten

KonstanteWertBedeutung
CLUSTER_M / SNAP_M500 m / 2.000 mKnoten-Clusterradius / Junction-Fangradius
s_max_pu0,7N-1-Vorhaltung auf der thermischen Grenzleistung
FUZZY_THRESHOLD0,85Namens-Matching-Schwelle Statisches Netzmodell
SENS_MIN0,05PTDF-Sensitivitätsschwelle im Headroom
HEADROOM_MIN_KV / EXCLUDE_P95220 kV / 2,0Constraint-Menge EHV / Ausschluss datenverdächtiger Kanten
MAX_HEADROOM_MW100.000Kappung „kein bindendes Element“
N1_TOPK / HEADROOM_N15 / ausKontingenzen je Leitung / N-1-Headroom kundenseitig deaktiviert
Wind v_ci/v_r/v_co3 / 10 bzw. 13,5 / 25 m/sLeistungskurve (low_wind / high_wind Küsten-Split)
PV PR0,9Performance Ratio, Referenz 1.000 W/m²
Demand-Gates400–600 TWh · 40–90 GWfail-closed Plausibilitätsfenster Last
Suchradius Zuordnung20 km (25 km EHV)Anlage→Umspannwerk (Abschnitt 10)
Leistungs-Floors150 / 50 / 1 MW → 220 / 110 / 20 kVSpannungsuntergrenze ohne Registereintrag
Ko-Abregelung≥3 gemeinsame Maßnahmen · ≤200 Anlagen/MaßnahmeCluster-Signal / Flächenabregelungs-Ausschluss
Attribution≤25 km, ≥220 kVKalibrier-Zuordnung Anlage→Kante
ÜNB-Fenster / VNB-Fenster365 d / 730 drollierende Datenfenster

Alle Schwellen sind als dokumentierte Umgebungsvariablen einstellbar; Änderungen laufen durch die monatliche Kalibrier-Schleife mit Regressions-Guard.

Alle Werte tragen im Produkt ihre Verlässlichkeitsstufe (gemessen / Modell). Begleitdokument zur Netzintelligenz-Seite.

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