Power Purchase Agreeement (PPA) Mustervertrag: Ein Schritt zur Vereinfachung des Zugangs zum PPA-Markt
In einer zunehmend von erneuerbaren Energien geprägten Welt sind Power Purchase Agreements (PPAs) zu einem wesentlichen Instrument für den Kauf und Verkauf von Strom geworden. Die Marktoffensive Erneuerbare Energien, eine Initiative der Deutschen Energie-Agentur (dena), hat kürzlich in Zusammenarbeit mit Partnern einen wegweisenden Schritt unternommen, indem sie einen Mustervertrag für PPAs veröffentlicht hat. Dieser innovative Vertrag beinhaltet nicht nur praktische Guidance Notes , sondern bietet auch eine standardisierte Basis für die Vertragsabwicklung. Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen sowie Stadtwerke sollen so befähigt werden, ohne tiefgreifende Kenntnisse über PPA-Verträge in den Markt einzutreten. Diese Entwicklung markiert einen bedeutenden Fortschritt in der Förderung erneuerbarer Energien und verspricht eine vielfältigere und nachhaltigere Energiezukunft. In diesem Artikel werden wir uns näher mit den Details dieses neuen PPA-Mustervertrags befassen und die potenziellen Auswirkungen auf den Energiesektor diskutieren.

Marktoffensive Erneuerbare Energien veröffentlicht Power Purchase Agreement (PPA)-Mustervertrag
Die Marktoffensive Erneuerbare Energien, eine Initiative der Deutschen Energie-Agentur (dena), hat in Zusammenarbeit mit weiteren Partnern einen Mustervertrag für Power Purchase Agreements (PPAs) veröffentlicht, der auch Erläuterungen in Form von Guidance Notes zum Vertrag enthält. Dieser Vertrag soll es Unternehmen, insbesondere kleinen und mittelständischen Betrieben sowie Stadtwerken (Stromabnehmern), ermöglichen, ohne umfassende Kenntnisse über PPA-Vertragsarten und Strommarkteffekte Lieferverträge abzuschließen und so den Zugang zum PPA-Markt zu erleichtern.
Der Mustervertrag ist als Bandlieferung („Baseload“) konzipiert, was bedeutet, dass der Verkäufer kontinuierlich dieselbe Menge Strom aus erneuerbaren Energien liefern muss. Sollte die Anlage mehr oder weniger Strom produzieren als im Vertrag vereinbart, ist der Verkäufer verpflichtet, die abweichenden Strommengen anderweitig zu beschaffen oder zu veräußern. Der Vertrag kann jedoch mit wenigen Anpassungen auch auf eine Pay-as-produced-Struktur umgestellt werden, bei der der Strom entsprechend der tatsächlichen Produktion abgenommen wird. Darüber hinaus ist der Vertrag für neu zu errichtende Anlagen für die Stromlieferung über das öffentliche Netz (Off-Site-PPA) geeignet.
Der Bundesverband Solarwirtschaft sieht in diesem Mustervertrag eine empfehlenswerte erste Rechtsgrundlage, auf der aufbauend projektspezifische Rechtsberatungen und Vertragsverhandlungen durchgeführt werden können.
Definitionen der einzelnen Begriffe
In diesen Kontexten wird häufig mit Begriffen um sich geworfen, die wir zu einem besseren Verständnis im folgenden Abschnitt für Sie erläutern.
Power Purchase Agreement (PPA)
Ein Power Purchase Agreement (PPA) ist ein rechtlicher Vertrag zwischen einem Stromerzeuger und einem Stromabnehmer, der die Bedingungen für den Kauf und Verkauf von Strom festlegt. Diese Vereinbarung definiert typischerweise den Preis pro Einheit Strom, die vereinbarte Menge an Strom, die während eines bestimmten Zeitraums geliefert werden soll, sowie die Dauer des Vertrags. PPAs sind zunehmend weit verbreitet in der Energiebranche, insbesondere im Bereich der erneuerbaren Energien, da sie es den Stromerzeugern ermöglichen, langfristige Abnahmeverträge zu sichern und somit die Finanzierung und den Ausbau von erneuerbaren Energieprojekten zu ermöglichen für die ansonsten keine Vergütung nach EEG bestünde.
Baseload
Baseload bezieht sich auf die Grundlast an Strom, die kontinuierlich benötigt wird, um die Basisversorgung zu gewährleisten. In einem Power Purchase Agreement, das als Baseload ausgestaltet ist, verpflichtet sich der Stromerzeuger, eine konstante Menge Strom zu liefern, unabhängig von den Schwankungen in der Stromerzeugung. Diese Grundlastversorgung bildet das Rückgrat des Stromnetzes und stellt sicher, dass auch in Zeiten niedrigerer Nachfrage eine kontinuierliche Stromversorgung gewährleistet ist. Sie bietet Planungssicherheit für den Käufer des Stroms. Das Risiko der Stromschwankungen trägt der Erzeuger des Stroms. Solarstromproduzenten müssen daher auch nachts Strom liefern und diesen anderweitig auf dem Strommarkt besorgen und an den Käufer liefern.
Pay-as-produced
Bei einem Pay-as-produced-Vertrag wird die von der Erzeugungsanlage tatsächlich produzierte Menge Strom and den Käufer geliefert. Dies bedeutet, dass der Stromabnehmer nur die Menge Strom geliefert bekommt, die von der Photovoltaikanlage auch tatsächlich produziert wird, und nicht eine vorher festgelegte Menge Strom unabhängig von der Produktion. Pay-as-produced-Verträge bieten eine feste Vergütung für den Stromproduzenten der die gesamte produzierte Strommenge verkaufen kann. Das bietet Sicherheit für den Produzenten. Das Risiko der Schwankung der Erzeugung trägt der Stromabnehmern. Die Käufer des Stroms werden daher einen kleinen Risikoabschlag einkalkulieren. Pay-as-produced Verträge sind insbesondere für Stromerzeuger attraktiv, die selbst nur in geringem Umfang am Strom Markt aktiv sind.
Deutsche Energie-Agentur (dena)
Die Deutsche Energie-Agentur (dena) ist eine Organisation, die sich für die Förderung von Energieeffizienz, erneuerbaren Energien und intelligenten Energiesystemen in Deutschland einsetzt. Sie arbeitet an der Entwicklung und Umsetzung von Strategien und Maßnahmen zur Energiewende, um den Übergang zu einer nachhaltigen Energieversorgung voranzutreiben und die Klimaziele zu erreichen. Die dena fungiert als Impulsgeber, Berater und Vermittler zwischen Regierung, Wirtschaft und Gesellschaft und unterstützt Unternehmen und Institutionen bei der Umsetzung von energieeffizienten Maßnahmen und erneuerbaren Energieprojekten.
Unsere Empfehlungen für Power Purchase Agreements (PPA)
Für Stromerzeuger empfehlen wir von ENLAPA, dass bei der Ausgestaltung von Power Purchase Agreeements (PPAs) nur erfahrene Akteure am Strommarkt die Variante als 'Baseload' wählen. Diese Profis verfügen über das notwendige Know-how und die Ressourcen, um das Risiko von Schwankungen bei der Stromerzeugung zu managen, d.h. beispielsweise mit anderen Erzeugungsanlagen auszugleichen oder den fehlenden Strombedarf an der Börse zu handeln. Nur erfahrene Akteure sind in der Lage das damit verbundene langfristige Risiko zu bewerten das mit einem Baseload-Vertrag verbunden ist.
Für kleinere Stromerzeuger, die möglicherweise nicht über dieselben Ressourcen und Erfahrungen verfügen, empfehlen wir die Nutzung von Pay-as-produced-Verträgen. Durch diese Struktur können sie ihr Risiko minimieren und erhalten die vertraglich vereinbarte Vergütung für den gesamten von der Anlage erzeugten Strom. Das ist einfach und lässt sich gut prognostizieren.
Für Banken ist die Finanzierung von Anlagen, die ihren Strom über Power Purchase Agreements vermarkten auch Neuland. Unsere Erfahrungswerte verlangen Banken jedoch ca. 20 bis 30% an Eigenkapitalquoten. Daher sind PPA-Anlagen nur für sehr finanzstarke Akteure geeignet.
Die richtige Wahl zwischen Baseload und Pay-as-produced hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der Risikobereitschaft, der finanziellen Ressourcen und der Erfahrung im Strommarkt. Wir möchten daher betonen, dass die Notwendigkeit einer sorgfältigen Prüfung und Beratung, um die optimale Lösung für jeden Akteur zu finden, besteht.
Abschließend möchten wir betonen, dass Power Purchase Agreements (PPAs) eine bedeutende Rolle im Energiesektor spielen und einen wichtigen Beitrag zur Förderung erneuerbarer Energien leisten. Die Veröffentlichung des PPA-Mustervertrags durch die Marktoffensive Erneuerbare Energien bietet Unternehmen eine wertvolle Ressource, um den Zugang zum PPA-Markt zu erleichtern. Darüber hinaus ermöglicht die Flexibilität von Pay-as-produced-Verträgen eine maßgeschneiderte und bedarfsgerechte Stromversorgung, die die Anpassungsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen stärkt. Wir ermutigen daher alle Interessierten, die Chance zu nutzen, um von diesen neuen Entwicklungen zu profitieren und die Zukunft der Energieversorgung aktiv mitzugestalten.